Wonderful Copenhagen


Kopenhagen ist toll! Das zumindest glauben die Kopenhagener selbst und meist auch die Dänen an sich. Denn in Kopenhagen gibt es ein mächtig gewaltiges Opernhaus vom Kaliber Sydney, natürlich nur viel besser, ein Schauspielhaus mit viel Glas, jede Menge Schuppen, Lager und elegante Hafenpromenaden, die den Promenierenden immer gern mal wieder auf eine unüberquerbare Ringstraße oder an einen unüberwindlichen Kanal führen, wo verwitterte Tafeln schon mal angedachte Brücken verheißen. So ist alles hübsch durcheinandergewürfelt, wobei die Architekten besonderes Geschick zeigen, wenn es darum geht, prominente Gebäude wie Hafenschuppen und Opernhäuser baulich aneinanderzufügen. Die Lagerhalle für Zeitungspapier hat dezent rote Tore, das Opernhaus hat keine Tore, dafür aber ein Dach in Gestalt eines blechernen Deckels, und ein paar dekorative Kraftwerksschlote mit pompösem Qualm akzentuieren jede noch so eintönige Stadtsilhouette.

Gespielt wird allerdings immer weniger in den Kulturtempeln, denn erstmal muss die staatlich verordnete Miete gezahlt werden. Erst die Häuser, dann die Kunst. Und es sind in den vergangenen zehn Jahren viele neue Bauwerke in der Stadt entstanden, denn das nennt man Aufschwung: Für den dänischen Rundfunk, für die Uni, die Königliche Bibliothek, das Königliche Theater. Nicht alle wollten, kaum jemand brauchte, aber alle zahlen jetzt für ihre großartigen Paläste. Die Uni vermietet bereits für Events. Wie wäre es mit einer Banker-Hochzeit mit akademischem Flair? Erst Kirche, dann Audimax? Die Oper legt sich flach für privaten Fernsehpop und die Königliche Bibliothek veranstaltet schon seit Jahren Konzerte. Immerhin Konzerte. Und Räumlichkeiten mieten geht bei ihnen auch jederzeit. Nicht nur für den Bücherfreund? Keine Sorge, ganz im Gegenteil: Nur nicht für den Bücherfreund. Für einen Börsianer ist hier immer Platz.

So fügt sich alles harmonisch aneinander: Haus an Haus und Politik an Wirklichkeit. Politiker schmücken sich mit Milliarden für die Forschung, Millionen für Kultur, die zweckgebunden in neue Häuser gesteckt werden mussten und nun über Jahre aus dem Schrumpfbudget der so Beglückten wieder abzustottern sind. Die Bauwirtschaft freut sich, denn sie hat ihre Regierung nicht vergeblich gewählt und wird es munter wieder tun. Und wen interessiert da noch die miesepetrige Forschung und Kultur? Dem Bauunternehmer muss es schließlich auch vergönnt sein, mal was Lustiges in seinem Opernhaus zu sehen, währenddessen seine Bauarbeiter passend zu einem Bier-Event an die Uni gehen können. Das nennt man Demokratie.

Der er lukket for kommentarer.

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